Antidekubitus-Hilfsmittel

Worauf sollten Sie besonders achten?

Richtig ausgewählte Hilfsmittel gegen Dekubitus helfen, die notwendigen Lagerungsintervalle beim Patienten zu verlängern und damit die Pflege zu entlasten. In Zeiten von Personalknappheit im Heimalltag wie auch in der häuslichen Pflege sind Hilfsmittel bei Risikopatienten eine unerlässliche Maßnahme. In der Hilfsmittelversorgung brauchen pflegende Angehörige interessenunabhängige und verlässliche Aufklärung. Wichtige Informationen zum Rechtsanspruch in der Hilfsmittelversorgung und Informationen über Antidekubitus-Hilfsmittel finden Sie hier.

Nein zu kostenorientiertem Vorgehen bei Hilfsmittelauswahl und -lieferung

Bei der Auswahl des richtigen Hilfsmittels gilt es kritisch hinzuschauen. Denn Hilfsmittel-Dienstleister, also Sanitäts- und Rehafachhandel, handeln zum Teil kosten- statt patientenorientiert. Die Antidekubitusversorgung ist dort eine von vielen Produktgruppen des Fachhandels und wird häufig sozusagen mitgenommen. Das drückt sich beispielsweise im Abbau von Fachpersonal aus, im Verzicht auf individuelle Bedarfsermittlung durch eine dekubituserfahrene Pflegefachkraft, durch Einsparung der Produkteinweisung zum ordnungsgemäßen Gebrauch des Anti-Dekubitus-Hilfsmittels und mangelhafte Hygiene der zumeist wiederverwendeten Hilfsmittel wie etwa Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen. Patienten werden zudem oft mit Billigprodukten versorgt, die dem Hilfsmittel-Dienstleister eine große Marge sichern. Spezielle Hilfsmittel werden nicht angeboten, weil sie arbeits- und damit kostenaufwendiger sind. Das wohl gängigste Beispiel für dieses Vorgehen ist die pauschale Versorgung von Dekubituspatienten und -Risikopatienten mit Schaumstoff-Weichlagerungs-Matratzen zur Aufwandsminimierung, statt einer bedarfsgerechten Beratung und Versorgung auch mit Spezialmatratzen.

Das können Hilfsmittel leisten

Antidekubitus-Hilfsmittel sollen den Druck auf dekubitusgefährdete Hautareale im Sitzen oder Liegen reduzieren und Reibungs- und Scherkräfte mindern, die beispielsweise beim Umpositionieren oder Transfer auf das Gewebe einwirken. Die Hilfsmittel gegen Dekubitus teilt man ein in vier Kategorien: Antidekubitus-Sitzkissen, Antidekubitus-Matratzen, Lagerungs- und Positionierungskissen, Gleit- und Transferhilfen

Antidekubitus-Hilfsmittel werden grundsätzlich nach der individuellen Situation des betroffenen Menschen ausgewählt. Wann welches Hilfsmittel zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Grundsätzlich sollen Hilfsmittel gegen Dekubitus…

Die 4 wichtigsten Hilfsmittelgruppen gegen Dekubitus

Über die wichtigsten Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten der vier wichtigsten Hilfsmittelgruppen gegen Dekubitus lesen Sie hier.

Die Nummern, die Sie bei den einzelnen Produkten finden, sind Hilfsmittelnummern, die so im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherungen stehen.

I
Antidekubitus-Matratzen / Liegehilfen

Antidekubitus-Matratzen / Liegehilfen

Sie dienen bettlägerigen Menschen, die sich im Liegen nicht mehr alleine aus eigener Kraft drehen und umpositionieren können und reduzieren den Auflagedruck auf dekubitusgefährdete Hautstellen.

Man unterscheidet:

  • statische Matratzen aus Schaumstoff, sogenannte Weichlagerungsmatratzen
  • dynamische Lagerungssysteme, bei denen Luftzellen in der Matratze über ein

Steuergerät befüllt und entlüftet werden, sogenannte Wechseldruckmatratzen.

  • Hybridsysteme, bei denen die Druckverteilung von Schaumstoff und Druckentlastung von Wechseldruckmatratzen kombiniert werden
  • Spezialsysteme wie Matratzen zur Mikrostimulation oder automatische Seitenlagerungssysteme.

Die beiden am häufigsten eingesetzten Systeme in der Antidekubitus-Versorgung, Schaumstoffweichlagerung- und Wechseldruck-Matratzen, werden ausführlicher beschrieben.

Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen

(Produktgruppe 11.29.05)

Bei der Weichlagerung erfolgt die Druckreduzierung durch das Einsinken des Körpers in den Schaumstoff. Dadurch vergrößert sich die Auflagefläche des Körpers. Der Druck wird auf einer größeren Fläche verteilt und die punktuelle Druckeinwirkung auf einzelne Körperareale verringert sich. Es gibt Matratzen mit einteiliger Liegefläche, mit unterteilter Liegefläche, mit austauschbaren Elementen und mit integrierter Freilagerung. Die Schaumstoff-Weichlagerungsmatratze mit Freilagerung bewirkt durch die weiche Oberschicht eine Druckverteilung durch Auflagenflächenvergrößerung und durch die Entnahme von Segmenten in der zweiten Matratzenebene kann eine zusätzliche Freilagerung und Druckentlastung erfolgen.

Wirkprinzip Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen

Weniger punktueller Druck durch Druckverteilung auf eine größere Fläche.

Einsatz und Grenzen

Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen gehören zu den wichtigen Hilfsmitteln in der

Dekubitusprävention. Es gibt sie in sehr unterschiedlichen Ausführungen und Qualitäten (Raumgewicht, Stauchhärte, Bezüge, Zonenrand) in Preisklassen von 90 € bis 1.500 €. Der Versorgungsdurchschnitt (Einkaufspreis des Reha- und Sanitätsfachhandels) liegt bei ca. 150 €. Bei Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen handelt es sich um statische Matratzen. Sie besitzen keine Anpassbarkeit an Körpergewicht, Oberkörperhochlage etc. Durch das Einsinken in weichen Schaum besteht das Risiko, dass die Restmobilität des Patienten zusätzlich beeinträchtigt wird und die Körperwahrnehmung reduziert wird. Bei immobilen Patienten mit hohem Dekubitusrisiko und mangelnder Sicherstellung ausreichender Umlagerungs-maßnahmen ist der Einsatz von Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen nicht zu empfehlen. (Quelle: DNQP Expertenstandard Seite 43 und 46)

Bedenken gibt es bezüglich der Hygiene und Alterung der Matratze beim Wiederverwenden. Beim Einsatz können kleinste Risse in Bezügen und dadurch z. B. bakterielle Verunreinigungen des Matratzenkerns entstehen. Auch die Veränderungen der Druckentlastungseigenschaften der Matratze während der Einsatzdauer beim Patienten sind unklar. Eine regelmäßige Überprüfung findet nicht statt und die Hersteller bewerben die Matratzen fälschlicherweise als „wartungsfrei“. Der Einsatz von Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen muss – wie bei allen Hilfsmitteln – fachlich auf den Einzelfall abgestimmt werden und darf nicht pauschal erfolgen.

   Hersteller: Kubivent   

Schaumstoff-Weichlagerungsmatratzen

Wechseldruckmatratzen

(Produktgruppe 11.29.08)

Wechseldruckmatratzen bestehen aus quer liegenden Luftzellen, die mit einem Steuergerät automatisch abwechselnd be- und entlüftet werden. In den Bereichen entlüfteter Zellen findet eine Entlastung des Gewebes statt („intermittierende Entlastung“). Weil ein zeitlich wiederkehrender Wechsel zwischen Druckentlastung und -belastung einzelner Körperareale erfolgt, werden die Hilfsmittel Wechseldruckmatratzen genannt. Wechseldruckmatratzen gibt es ebenfalls in den verschiedensten Ausführungen und Qualitäten. Hochwertige Matratzensysteme bieten einen sanften Wechseldruck, den der Patient nicht spürt.

Wirkprinzip Wechseldruckmatratzen

Wiederkehrende Druckentlastung der Haut durch wechselnde Be- und Entlüftung von Luftzellen

Einsatz und Grenzen

Wechseldruckmatratzen gibt es in sehr unterschiedlichen Ausführungen und Qualitäten (Steuerungstechnologie, 2- oder 3-Kammerprinzip, Pflege-Modus) in Preisklassen von 150 € – 8.000 €) – der Versorgungsdurchschnitt liegt bei 300 €.

Da die Reizeinwirkung von Wechseldruckmatratzen den Muskeltonus anregen können, sind sie bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen nicht immer geeignet. So genannte Spitzendrücke in den belüfteten Zellen können eine vorliegende Schmerzsymptomatik im Rückenbereich verstärken, ebenso bei Patienten z. B. mit Oberschenkel-Amputation. Bei Matratzen ohne Randzonenverstärkung ist die Mobilisation an den Bettrand erschwert.

   Pain & Therapie – Hersteller: SLK   

Wechseldruckmatratzen

Kombinierte Schaumstoff-Luftmatratzen / Hybridsysteme

(Produktgruppe 11.29.09)

Kombinierte Schaumstoff-Luftmatratzen haben das gleiche Grundwirkprinzip wie  Wechseldruckmatratzen, mit dem Unterschied, dass sich in den Luftzellen Schaumstoff befindet und so die Auflagefläche vergrößert wird. Dadurch ist der Druckwechsel sanfter und die Reizeinwirkung auf den Patienten geringer.

Wirkprinzip Schaumstoff-Luftmatratzen

Sanfte und eher reizarme Druckentlastung durch Druckwechsel.

  BlueCare – Hersteller: SLK   

Kombinierte Schaumstoff-Luftmatratzen / Hybridsysteme

Dynamische Liegehilfen zur Umlagerung / Seitenlagerungssysteme

(Produktgruppe 11.29.10)

Diese Liegehilfen funktionieren nach dem Prinzip der „Freilagerung“. Hierbei werden gefährdete Körperregionen regelmäßig freigelagert, und zwar durch automatische

Drehung des Patienten in 30°-Seitenlagerungspositionen. Je nach System sind Lagerungswinkel, Wechselintervall und Wechselmodus einstellbar.

Dynamische Systeme zur Stimulation von Mikrobewegungen (MiS)

Bei diesem System führt die obere Schaumstoffmatratze zur Druckverteilung analog der Weichlagerung. Zusätzlich sollen kleinste Bewegungen, sogenannte Mikrobewegungen des Patienten zur Aktivierung der Torsionsflügellfedern führen, die in einer Unterkonstruktion angeordnet sind. Deren Rückkopplung durch die Matratze soll nach Angaben des Herstellers die physiologische Durchblutung der Haut verbessern und die Körperwahrnehmung unterstützen.

Wirkprinzip Dynamische Systeme zur Stimulation von Mikrobewegungen (Produktgruppe 11.29.11)

Druckverteilung plus Aktivierung von Mikrobewegungen

   Ekamove – Hersteller: ekamed  

Dynamische Liegehilfen zur Umlagerung / Seitenlagerungssysteme

II
Antidekubitus-Sitzkissen / -hilfen

Antidekubitus-Sitzkissen dienen der Druckverteilung im Sitzen und helfen Menschen, die sich im Sitzen nicht mehr von alleine umsetzen können und/oder ein eingeschränktes Schmerzempfinden haben.

Die wichtigste Aufgabe, die ein Sitzkissen erfüllen soll, ist die Vermeidung von Druckstellen und Druckgeschwüren. Denn im Sitzen lasten etwa 75 Prozent des gesamten Körpergewichts auf nur acht Prozent der Körperoberfläche. Sitzkissen sollen auch Reibungs- und Scherkräfte reduzieren, also die Bewegungsreibung die zwischen Gesäß und Sitzkissen entsteht sowie die Scherung von tieferliegenden Gewebsschichten an Knochen. Beides kann zu offenen Druckgeschwüren führen.

Alle Antidekubitus-Sitzhilfen haben grundsätzlich das gleiche Wirkprinzip: Sie sollen für eine Druckverteilung durch Einsinken in das Kissenmaterial sorgen, wodurch sich die Aufsitzfläche vergrößert und der punktuelle Druck auf gefährdete Hautbereiche reduziert. Je nach Material und Aufbau sollen die Produkte darüber hinaus z. B. die Positionierung und Sitzstabilität unterstützen oder das Sitzmikroklima verbessern.

Der wichtigste Bestandteil eines jeden Sitzkissens ist sein Material bzw. sein Kern. Entweder besteht er aus Schaumstoff, aus Gel oder aus Luftkammern, wobei Luft das wirksamste Medium für eine beständige Druckreduzierung darstellt. Hersteller kombinieren die Materialien auch miteinander auf unterschiedliche und immer neue Weise, sodass die Auswahl an Antidekubitus-Sitzkissen sehr groß ist. Bei der Auswahl müssen individueller Bedarf und Nutzen sorgsam geprüft werden.

  Systam Sitzkissen – Hersteller: Systam   

Schaumstoff-Sitzkissen

(Produktgruppe 11.39.01)

Schaumstoff-Sitzkissen sind die einfachste und preisgünstigste Sitzkissenvariante und nachträglich anpassbar durch das Sanitätshaus. Antidekubitus-Sitzkissen aus Schaumstoff gibt es in folgenden Ausführungen: mit einteiliger Sitzfläche, mit unterteilter Sitzfläche, mit austauschbaren Elementen und in verschiedenen Strukturen aufgebaut. Bei Sitzkissen, die aus einem Stück/Block Schaumstoff bestehen, ist es wichtig, auf hochwertiges Material zu achten. So passen sich z. B. viskoelastische Schaumstoffe sehr gut den Körperformen an. Zu beachten ist aber, dass sich nach dem Einsinkeffekt in den weichen Schaum von unten wieder ein Gegendruck aufbaut und die Druckverteilung daher nur zeitlich begrenzt wirkt, wenn der Patient passiv und ohne Bewegung im Stuhl sitzt.

   Drive Medical Sitzkissen D-Q-SiT Gel – Hersteller: Drive Medical  

Gelgefüllte Sitzkissen

(Produktgruppe 11.39.02)

Gelgefüllte Antidekubitus-Sitzhilfen gibt es in unterschiedlichen Kombinationen und Strukturen. Wenig Wirkung haben einfache Gelkissen, die nur 2-3cm hoch sind und damit kaum eine Druckverteilung bieten. Kissen mit einer Füllung aus Polymer-, Elastomer- oder Fluidgel können Reibungs- und Scherkräfte gut reduzieren.

   Systam Sitzkissen – Systam P302C – Hersteller: Systam   

Luftgefüllte Sitzkissen

(Produktgruppe 11.39.03)

Luftgefüllte Sitzkissen gibt es in verschiedenen Ausführungen (Höhe, Anzahl der Kammern, Positionierung). Durch die Luftfüllung kann sich das Kissen gut an die Körperform anpassen. Der Patient sinkt in die Luftzellen ein, die eine kontinuierliche und beständige Druckverteilung bieten. Mit den sogenannten Mehrkammerkissen kann man Patienten mit geringer Körperstabilität oder einer Fehlhaltung gut in einem Stuhl positionieren. Bei luftgefüllten Sitzkissen muss der Befüllungszustand regelmäßig überprüft werden.

   Vicair Adjuster O2 – Hersteller: Vicair   

Luftgefüllte Sitzkissen mit verschiebbaren Elementen

(Produktgruppe 11.39.05)

In diesen Kissen befinden sich mehrere hundert kleine Luftzellen, die über das Medium „Luft“ eine gute Druckverteilung bieten. Die frei beweglichen Luftzellen ermöglichen eine gute Anpassung an die Körperkonturen und eine deutliche Reduzierung von Reibungs- und Scherkräften.

Wheelchair Back Cushion – Hersteller: Vicair

Antidekubitus-Rückenkissen

Neben Sitzkissen gibt es Antidekubitus-Rückenkissen, die für eine Druckreduzierung im Rückenbereich sorgen sollen. Ihr Wirkprinzip besteht in der Druckverteilung durch Einsinken in kleine Luftzellen oder Weichschaum.

III
Lagerungs- und Positionierungshilfen

Hierzu zählen z. B. Kissen, Polster, Keile. Sie helfen Menschen, die selbst zu wenig Kraft und Körperspannung haben, eine druckentlastende Position aufrecht zu erhalten, dekubitusgefährdete Körperbereiche freizulagern oder druckentlastend zu positionieren. Es gibt beispielsweise luftgepolsterte Fersenschuhe zur Freilagerung oder Seitenlagerungskissen, die den Patienten in der wichtigen 30°-Position stabilisieren.

   Lagerungskissen – Hersteller: Kubivent   

IV
Gleitmatten / -tücher und Transferhilfen

Sie gehören im engeren Sinne nicht zu den Hilfsmitteln gegen Dekubitus, sind aber wichtig, um die Haut beim Umpositionieren oder beim Transfer zu schützen, also immer dann wo Reibungs- und Scherkräfte negativ einwirken.

Hier gibt es etwa sogenannte transportierende Bettlakensysteme bzw. automatische Umsetzhilfen wie auch Beinpositionierungskissen zur Stabilisierung des Pflegebedürftigen, um ein Heruntergleiten im Bett zu vermeiden

   Gleitmatte – Hersteller: Kubivent   

   Gleitmatte Hersteller: Petermann   

Ratgeber – In 3 Schritten zum Antidekubitus-Hilfsmittel

1) Antidekubitus-Hilfsmittel sind eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse und auch – je nach abgeschlossenem Tarif – der privaten Krankenkassen. Damit Sie diese für Ihren Angehörigen und Sie kostenfreie Leistung bei der Krankenkasse in Anspruch nehmen können, benötigen Sie eine ärztliche Verordnung für das Antidekubitus-Hilfsmittel. Um diese Verordnung zu bekommen, rufen Sie zunächst Ihren Hausarzt an und bitten ihn um einen Hausbesuch, bei der er das Dekubitusrisiko beurteilen und Maßnahmen festlegen kann. Wenn er den Patienten und seine Situation gut kennt oder der Pflegedienst bestätigt das Risiko, stellt der Arzt eine Verordnung über ein Antidekubitus-Hilfsmittel aus. Wichtig ist, dass der Arzt auf das Rezept „Antidekubitusmatratze“ oder „Antidekubitus-Sitzkissen“ schreibt, um die individuelle Auswahl des Hilfsmittels nicht einzuschränken.

2) Im zweiten Schritt wenden Sie sich mit der ärztlichen Verordnung an einen Hilfsmittell-Leistungserbringer, das heißt, ein qualifiziertes Sanitätshaus oder ein spezialisiertes Homecare-Unternehmen, oder wenden Sie sich direkt an Ihre Krankenkasse und bitten Sie um eine Vor-Ort-Bedarfsanalyse zur Ermittlung und Versorgung der geeigneten Hilfsmittel zur Dekubitusvermeidung oder -therapie.

3) Der Hilfsmittelberater des Sanitätshauses oder Homecare-Unternehmens kommt zu Ihnen nach Hause und führt eine qualifizierte Bedarfsanalyse durch. In dieser schaut er sich den pflegebedürftigen Menschen und die Pflegesituation an, berät Sie, trifft die Hilfsmittelauswahl mit Ihnen, liefert das Produkt und gibt Ihnen eine qualifizierte Einweisung in seinen Gebrauch. Dieser Ablauf ist elementar wichtig. Denn auf dem Hilfsmittelmarkt gibt es eine Menge Antidekubitus-Hilfsmittel, deren Eignung für die individuelle Dekubitus-Prophylaxe und -therapie nur von speziell geschulten und qualifizierten Fachleuten eingeschätzt werden können. Um sicherzustellen, dass für Ihren Angehörigen das richtige Antidekubitus-Hilfsmittel ausgewählt wird, verlangt die Krankenkasse vom Hilfsmittellieferanten per Vertrag, dass eine dekubituserfahrene Fachkraft die Bedarfsanalyse bei Ihnen zu Hause durchführt. Bestehen Sie auf dieses Recht und den Ablauf in der richtigen Reihenfolge, es kostet Sie nichts, gibt Ihnen aber Sicherheit, das Richtige für Ihren Angehörigen zu tun. Lassen Sie es nicht zu, dass der Hilfsmittellieferant Ihnen nach einem Telefonat ein Produkt liefert, ohne dass vorher eine dekubituserfahrene Pflegefachkraft die Situation vor Ort eingeschätzt hat und sie beraten hat.

Die Einweisung in den Gebrauch des Hilfsmittels ist sinnvoll und wichtig

Manche pflegende Angehörige unterschätzen zu Beginn einer Pflegesituation das Dekubitusrisiko und denken vielleicht: „Mit einem Antidekubitus-Hilfsmittel kann ich doch nichts falsch machen!“ Leider doch, sogar sehr viel! Bei der Auswahl von Hilfsmitteln ist immer die individuelle Gesamtsituation des betroffenen Menschen zu berücksichtigen, insbesondere mögliche andere Pflegeziele wie zum Beispiel Schmerzentlastung, Mobilitätserhalt, Liegekomfort, Hygiene oder ein gutes Mikroklima. Eine qualifizierte Fachkraft, die zu Ihnen nach Hause kommt, kann das einschätzen und Ihnen auch zeigen, wie Sie das Hilfsmittel richtig einsetzen, damit es seinen Nutzen bringt. Die Einweisung kostet Sie nichts, selbst, wenn Sie zwei oder drei Wiederholungsbesuche benötigen, die Krankenkasse trägt die Kosten dafür.

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Wundliegen vorbeugen, bei Dekubitus richtig handeln, das passende Antidekubitus-Hilfsmittel finden!